
Im Projektgeschäft wird häufig zuerst auf den Umsatz geschaut. Ein hoher Auftragswert wirkt auf den ersten Blick vielversprechend, sagt jedoch nur wenig über den tatsächlichen wirtschaftlichen Erfolg eines Projekts aus. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Geld nach Abzug der projektbezogenen Kosten übrig bleibt. Genau diese Frage beantwortet der Deckungsbeitrag.
Für Projektleiter, Auftragsmanager und Controller gehört der Deckungsbeitrag deshalb zu den wichtigsten Kennzahlen. Er hilft dabei, Projekte wirtschaftlich zu bewerten, Nachträge zu beurteilen und frühzeitig zu erkennen, ob sich ein Auftrag wie geplant entwickelt. In diesem Beitrag erfährst du, wie der Deckungsbeitrag berechnet wird und warum er im Projektgeschäft eine so große Rolle spielt.
Was ist der Deckungsbeitrag?
Der Deckungsbeitrag beschreibt den Betrag, der nach Abzug aller variablen Kosten vom erzielten Umsatz übrig bleibt. Dieser Betrag steht anschließend zur Verfügung, um die Fixkosten des Unternehmens – beispielsweise Miete, Verwaltung oder IT – zu decken. Erst wenn diese Kosten ebenfalls gedeckt sind, erwirtschaftet das Unternehmen einen Gewinn.
Die Berechnung ist dabei denkbar einfach:
Deckungsbeitrag = Umsatz − variable Kosten
Die Herausforderung liegt meist nicht in der Formel selbst, sondern darin, die variablen Kosten korrekt zu ermitteln.
Welche Kosten fließen in die Berechnung ein?
Variable Kosten sind alle Kosten, die unmittelbar durch ein Projekt entstehen. Im Anlagen- oder Maschinenbau zählen dazu beispielsweise Materialkosten, Fertigungskosten, Fremdleistungen oder Transportkosten. Auch projektbezogene Reisekosten oder Verpackungskosten können dazugehören.
Fixkosten hingegen fallen unabhängig von einem einzelnen Auftrag an. Dazu gehören beispielsweise Gehälter der Verwaltung, Miete, Versicherungen oder allgemeine IT-Kosten. Diese werden bei der Berechnung des Deckungsbeitrags nicht berücksichtigt.
Gerade im Projektgeschäft ist diese Trennung besonders wichtig. Werden Fixkosten versehentlich als variable Kosten erfasst, erscheint ein Projekt schlechter als es tatsächlich ist. Umgekehrt führt das Vergessen einzelner variabler Kosten schnell zu einer zu optimistischen Einschätzung der Wirtschaftlichkeit.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Schauen wir uns ein typisches Projekt aus dem Anlagenbau an.
Ein Unternehmen verkauft eine Anlage für 120.000 Euro. Für Material werden 55.000 Euro benötigt. Die Fertigung verursacht 22.000 Euro, hinzu kommen 8.000 Euro für Fremdleistungen sowie 2.000 Euro Transportkosten.
Die variablen Kosten betragen somit insgesamt 87.000 Euro.
Die Berechnung des Deckungsbeitrags lautet:
120.000 € − 87.000 € = 33.000 €
Der Deckungsbeitrag beträgt also 33.000 Euro. Dieser Betrag steht nun zur Verfügung, um die Fixkosten des Unternehmens zu decken. Alles, was darüber hinaus verbleibt, trägt letztendlich zum Gewinn bei.
Noch aussagekräftiger wird die Kennzahl, wenn zusätzlich die Deckungsbeitragsquote berechnet wird.
Deckungsbeitragsquote = Deckungsbeitrag ÷ Umsatz × 100
Im Beispiel ergibt sich daraus eine Quote von 27,5 Prozent. Das bedeutet, dass von jedem Euro Umsatz rund 28 Cent zur Deckung der Fixkosten und anschließend zur Gewinnerzielung beitragen.
Warum ist der Deckungsbeitrag im Projektgeschäft so wichtig?
Im Projektgeschäft unterscheiden sich Projekte häufig erheblich hinsichtlich ihrer Kostenstruktur. Zwei Projekte können nahezu den gleichen Umsatz erzielen und dennoch wirtschaftlich völlig unterschiedlich sein.
Ein Projekt mit einem Auftragswert von 500.000 Euro kann beispielsweise einen geringeren Deckungsbeitrag liefern als ein Projekt mit nur 300.000 Euro, wenn Materialkosten oder Fremdleistungen deutlich höher ausfallen. Aus diesem Grund betrachten viele Unternehmen den Deckungsbeitrag als wesentlich wichtigere Kennzahl als den reinen Umsatz.
Für Projektleiter und Auftragsmanager bietet diese Kennzahl einen entscheidenden Vorteil: Sie zeigt frühzeitig, ob ein Projekt wirtschaftlich auf Kurs liegt. Steigen beispielsweise Materialpreise oder erhöht sich der Aufwand in der Fertigung, sinkt der Deckungsbeitrag unmittelbar. Dadurch können Gegenmaßnahmen oft rechtzeitig eingeleitet werden.
Typische Fehler bei der Berechnung
Obwohl die Formel einfach ist, entstehen in der Praxis immer wieder Fehler. Besonders häufig werden variable und fixe Kosten nicht sauber voneinander getrennt. Ebenso werden Preissteigerungen bei Material oder zusätzliche Fremdleistungen manchmal erst sehr spät berücksichtigt. Auch Nachträge, die den Umsatz erhöhen, werden nicht immer zeitnah in die Berechnung übernommen.
Deshalb empfiehlt es sich, den Deckungsbeitrag nicht nur einmal bei der Angebotserstellung zu berechnen, sondern ihn während des gesamten Projektverlaufs regelmäßig zu aktualisieren. So entsteht ein realistisches Bild der Wirtschaftlichkeit und mögliche Abweichungen werden früh erkannt.
Fazit
Der Deckungsbeitrag im Projektgeschäft gehört zu den wichtigsten Kennzahlen für Unternehmen im Anlagenbau, Maschinenbau und in der Elektrotechnik. Er zeigt, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der variablen Kosten tatsächlich zur Verfügung steht, um Fixkosten zu decken und Gewinne zu erwirtschaften.
Wer den Deckungsbeitrag regelmäßig berechnet und überwacht, kann Projekte wirtschaftlicher steuern und fundiertere Entscheidungen treffen. Gerade für Projektleiter und Auftragsmanager ist diese Kennzahl daher ein unverzichtbares Werkzeug im täglichen Projektcontrolling.
